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nächsten besten Baum unser Nachtlager nähmen, als hier in diesen vier Wänden, wo an
kein Entspringen zu denken ist, wenn sie einmal die Türe besetzt haben; denn die Fenster
sind vergittert."
Sie waren alle durch diese Reden nachdenklich geworden. Es schien gar nicht
unwahrscheinlich, daß die Schenke im Wald, sei es gezwungen oder freiwillig, im
Einverständnis mit den Räubern war. Die Nacht schien ihnen daher gefährlich; denn wie
manche Sage hatten sie gehört von Wanderern, die man im Schlaf überfallen und gemordet
hatte; und sollte es auch nicht an ihr Leben gehen, so war doch ein Teil der Gäste in der
Waldschenke von so beschränkten Mitteln, daß ihnen ein Raub an einem Teil ihrer Habe
sehr empfindlich gewesen wäre. Sie schauten verdrießlich und düster in ihre Gläser. Der
junge Herr wünschte auf seinem Roß durch ein sicheres, offenes Tal zu traben, der
Zirkelschmidt wünschte sich zwölf seiner handfesten Kameraden mit Knütteln bewaffnet als
Leibgarde, Felix, der Goldarbeiter, trug Bange, mehr um den Schmuck seiner Wohltäterin,
als um sein Leben; der Fuhrmann aber, der einigemal den Rauch seiner Pfeife nachdenklich
vor sich hin geblasen, sprach leise: "Ihr Herren, im Schlaf wenigstens sollen sie uns nicht
überfallen. Ich für meinen Teil will, wenn nur noch einer mit mir hält, die ganze Nacht wach
bleiben."
"Das will ich auch" - "ich auch", riefen die drei übrigen. "Schlafen könnte ich doch nicht",
setzte der junge Herr hinzu.
"Nun so wollen wir etwas treiben, daß wir wach bleiben", sagte der Fuhrmann; "ich denke
weil wir doch gerade zu vier sind, könnten wir Karten spielen, das hält wach und vertreibt die
Zeit."
"Ich spiele niemals Karten", erwiderte der junge Herr, "darum kann ich wenigstens nicht
mithalten." "Und ich kenne die Karten gar nicht", setzte Felix hinzu.
"Was können wir denn aber anfangen, wenn wir nicht spielen", sprach der Zirkelschmidt,
"singen? Das geht nicht und würde nur das Gesindel herbeilocken; einander Rätsel und
Sprüche aufgeben zum Erraten? Das dauert auch nicht lange. Wisset ihr was? Wie wäre es,
wenn wir uns etwas erzählten? Lustig oder ernsthaft, wahr oder erdacht, es hält doch wach
und vertreibt die Zeit so gut wie Kartenspiel."
"Ich bin's zufrieden, wenn Ihr anfangen wollet", sagte der junge Herr lächelnd. "Ihr Herren
vom Handwerk kommet in allen Ländern herum und könnet schon etwas erzählen; hat doch
jede Stadt ihre eigenen Sagen und Geschichten."
"Ja, ja, man hört manches", erwiderte der Zirkelschmidt, "dafür st udieren Herren wie Ihr
fleißig in den Büchern, wo gar wundervolle Sachen geschrieben stehen; da wüßtet Ihr noch
Klügeres und Schöneres zu erzählen, als ein schlichter Handwerksbursche wie unsereiner.
Mich müßte alles trügen, oder Ihr seid ein Student, ein Gelehrter."
"Ein Gelehrter nicht", lächelte der junge Herr, "wohl aber ein Student und will in den Ferien
nach der Heimat reisen; doch was in unsern Büchern steht, eignet sich weniger zum
Erzählen, als was Ihr hier und dort gehört. Drum hebet immer an, w enn anders diese da
gerne zuhören."
"Noch höher als Kartenspiel", erwiderte der Fuhrmann "gilt bei mir, wenn einer eine schöne
Geschichte erzählt. Oft fahre ich auf der Landstraße lieber im elendesten Schritt und horche
einem zu, der neben mir hergeht und etwas Schönes erzählt; manchen habe ich schon im
schlechten Wetter auf den Karren genommen, unter der Bedingung, daß er etwas erzähle,
und einen Kameraden von mir habe ich, glaube ich, nur deswegen so lieb, weil er
Geschichten weiß, die sieben Stunden lang und länger dauern."
"So geht es auch mir", setzte der junge Goldarbeiter hinzu, "erzählen höre ich für mein
Leben gerne, und mein Meister in Würzburg mußte mir die Bücher ordentlich verbieten, daß
ich nicht zu viel Geschichten las, und die Arbeit darüber vernachlässigte. Drum gib nur etwas
Schönes preis, Zirkelschmidt, ich weiß, du könntest erzählen von jetzt an bis es Tag wird,
ehe dein Vorrat ausginge."
Der Zirkelschmidt trank, um sich zu seinem Vortrag zu stärken und hub alsdann also an:
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