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reich geworden waren. Solang sein Vater noch lebte, kamen oft andere arme Leute zum
Besuch, und da wurde lang und breit von reichen Menschen gesprochen, und wie sie reich
geworden; da spielte nun oft das Glasmännlein eine Rolle; ja, wenn er recht nachsann,
konnte er sich beinahe noch des Versleins erinnern, das man am Tannenbühl in der Mitte
des Waldes sprechen mußte, wenn es erscheinen sollte. Es fing an:
"Schatzhauser im grünen Tannenwald,
Bist schon viel hundert Jahre alt,
Dir gehört all Land, wo Tannen stehn -"
Aber er mochte sein Gedächtnis anstrengen wie er wollte, weiter konnte er sich keines
Verses mehr entsinnen. Er dachte oft, ob er nicht diesen oder jenen alten Mann fragen sollte,
wie das Sprüchlein heiße; aber immer hielt ihn eine gewisse Scheu seine Gedanken zu
verraten ab, auch schloß er, es müsse die Sage vom Glasmännlein nicht sehr bekannt sein
und den Spruch müssen nur wenige wissen, denn es gab nicht viele reiche Leute im Wald,
und - warum hatten denn nicht sein Vater und die andern armen Leute ihr Glück versucht?
Er brachte endlich einmal seine Mutter auf das Männlein zu sprechen, und diese erzählte
ihm, was er schon wußte, kannte auch nur noch die erste Zeile von dem Spruch, und sagte
ihm endlich, nur Leuten, die an einem Sonntag zwischen elf und zwei Uhr geboren seien,
zeige sich das Geistchen. Er selbst würde wohl dazu passen, wenn er nur das Sprüchlein
wüßte, denn er sei Sonntag mittags zwölf Uhr geboren.
Als dies der Kohlen-Munk-Peter hörte, war er vor Freude und vor Begierde, dies Abenteuer
zu unternehmen, beinahe außer sich. Es schien ihm hinlänglich, einen Teil des Sprüchleins
zu wissen und am Sonntag geboren zu sein, und Glasmännlein mußte sich ihm zeigen. Als
er daher eines Tages seine Kohlen verkauft hatte, zündete er keinen neuen Meiler an,
sondern zog seines Vaters Staatswams und neue rote Strümpfe an, setzte den Sonntagshut
auf, faßte seinen fünf Fuß hohen Schwarzdornstock in die Hand und nahm von der Mutter
Abschied: "Ich muß aufs Amt in die Stadt, denn wir werden bald spielen müssen, wer Soldat
wird, und da will ich dem Amtmann nur noch einmal einschärfen, daß Ihr Witwe seid, und ich
Euer einziger Sohn." Die Mutter lobte seinen Entschluß, er aber machte sich auf nach dem
Tannenbühl. Der Tannenbühl liegt auf der höchsten Höhe des Schwarzwaldes, und auf zwei
Stunden im Umkreis stand damals kein Dorf, ja nicht einmal eine Hütte, denn die
abergläubischen Leute meinten, es sei dort "unsicher". Man schlug auch, so hoch und
prachtvoll dort die Tannen standen, ungern Holz in jenem Revier, denn oft waren den
Holzhauern, wenn sie dort arbeiteten, die Äxte vom Stiel gesprungen und in den Fuß
gefahren, oder die Bäume waren schnell umgestürzt und hatten die Männer mit umgerissen
und beschädigt oder gar getötet; auch hätte man die schönsten Bäume von dorther nur zu
Brennholz brauchen können, denn die Floßherren nahmen nie einen Stamm aus dem
Tannenbühl unter ein Floß auf, weil die Sage ging, daß Mann und Holz verunglücke, wenn
ein Tannenbühler mit im Wasser sei. Daher kam es, daß im Tannenbühl die Bäume so dicht
und so hoch standen, daß es am hellen Tag beinahe Nacht war, und Peter Munk wurde es
ganz schaurig dort zumut; denn er hörte keine Stimme, keinen Tritt als den seinigen, keine
Axt; selbst die Vögel schienen diese dichte Tannennacht zu vermeiden.
Kohlen-Munk-Peter hatte jetzt den höchsten Punkt des Tannenbühls erreicht, und stand vor
einer Tanne von ungeheurem Umfang, um die ein holländischer Schiffsherr an Ort und Stelle
viele hundert Gulden gegeben hätte. Hier, dachte er, wird wohl der Schatzhauser wohnen,
zog seinen großen Sonntagshut, machte vor dem Baum eine tiefe Verbeugung, räusperte
sich und sprach mit zitternder Stimme: "Wünsche glückseligen Abend, Herr Glasmann." Aber
es erfolgte keine Antwort, und alles umher war so still wie zuvor. Vielleicht muß ich doch das
Verslein sprechen, dachte er weiter und murmelte:
"Schatzhauser im grünen Tannenwald,
Bist schon viel hundert Jahre alt
Dir gehört all Land, wo Tannen stehn -"
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