| |
"O wundervolle Fügung des Himmels!" sprach sie gerührt zu ihrem staunenden Gemahl,
"das ist ja Felix, unser Patchen, der Sohn unserer Kammerfrau Sabine! Felix! ich bin es ja,
zu der du kommen wolltest; so hast du deine Pate gerettet, ohne es zu wissen."
"Wie? Seid denn Ihr die Gräfin Sandau, die so viel an mir und meiner Mutter getan? Und dies
ist das Schloß Mayenburg, wohin ich wandern wollte? Wie danke ich dem gütigen Geschick,
das mich so wunderbar mit Euch zusammentreffen ließ; so hab ich Euch doch durch die Tat,
wenn auch in geringem Maß, meine große Dankbarkeit bezeugen können!"
"Du hast mehr an mir getan", erwiderte sie, "als ich je an dir hätte tun können; doch solange
ich lebe, will ich dir zu zeigen suchen, wie unendlich viel wir alle dir schuldig sind. Mein Gatte
soll dein Vater, meine Kinder deine Geschwister, ich selbst will deine treue Mutter sein, und
dieser Schmuck, der dich zu mir führte in der Stunde der höchsten Not, soll meine beste
Zierde werden, denn er wird mich immer an dich und deinen Edelmut erinnern."
So sprach die Gräfin und hielt Wort. Sie unterstützte den glücklichen Felix auf seinen
Wanderungen reichlich. Als er zurückkam, als ein geschickter Arbeiter in seiner Kunst, kaufte
sie ihm in Nürnberg ein Haus, richtete es vollständig ein, und ein nicht geringer Schmuck in
seinem besten Zimmer waren schön gemalte Bilder, welche die Szenen in der Waldschenke
und Felix' Leben unter den Räubern vorstellten.
Dort lebte Felix als ein geschickter Goldarbeiter, der Ruhm seiner Kunst verband sich mit der
wunderbaren Sage von seinem Heldenmut, und verschaffte ihm Kunden im ganzen Reiche.
Viele Fremde, wenn sie durch die schöne Stadt Nürnberg kamen, ließen sich in die Werkstatt
des berühmten Meister Felix führen, um ihn zu sehen, zu bewundern, wohl auch ein schönes
Geschmeide bei ihm zu bestellen. Die angenehmsten Besuche waren ihm aber der Jäger,
der Zirkelschmidt, der Student und der Fuhrmann. Sooft der letztere von Würzburg nach
Fürth fuhr, sprach er bei Felix ein; der Jäger brachte ihm beinahe alle Jahre Geschenke von
der Gräfin, der Zirkelschmidt aber ließ sich, nachdem er in allen Ländern umhergewandert
war, bei Meister Felix nieder. Eines Tages besuchte sie auch der Student. Er war indessen
ein bedeutender Mann im Staat geworden, schämte sich aber nicht, bei Meister Felix und
dem Zirkelschmidt ein Abendessen zu verzehren. Sie erinnerten sich an alle Szenen der
Waldschenke und der ehemalige Student erzählte, er habe den Räuberhauptmann in Italien
wiedergesehen; er habe sich gänzlich gebessert, und diene als braver Soldat dem König von
Neapel.
Felix freute sich, als er dies hörte. Ohne diesen Mann wäre er zwar vielleicht nicht in jene
gefährliche Lage gekommen, aber ohne ihn hätte er sich auch nicht aus Räuberhand
befreien können. Und so geschah es, daß der wackre Meister Goldschmidt nur friedliche und
freundliche Erinnerungen hatte, wenn er zurückdachte an das Wirtshaus im Spessart.
|
| |
|
|