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Mutter gerettet, denn ihr zartes Leben hätte die Schrecken einer solchen Gefangenschaft
nicht ertragen." Es war der Gemahl der Gräfin, der diese Worte sprach. So sehr sich Felix
sträuben mochte, einen Lohn für seine Aufopferung zu bestimmen, so unerbittlich schien der
Graf darauf bestehen zu wollen. Da fiel dem Jüngling das unglückliche Schicksal des
Räuberhauptmanns ein; er erzählte wie er ihn gerettet, wie diese Rettung eigentlich der
Gräfin gegolten habe. Der Graf, gerührt nicht sowohl von der Handlung des Hauptmanns, als
von dem neuen Beweis einer edlen Uneigennützigkeit, den Felix durch die Wahl seiner Bitte
ablegte, versprach das Seinige zu tun, um den Räuber zu retten.
Noch an demselben Tag aber führte der Graf, begleitet von dem wackern Jäger, den jungen
Goldschmidt nach seinem Schlosse, wo die Gräfin, noch immer besorgt um das Schicksal
des jungen Mannes, der sich für sie geopfert, sehnsuchtsvoll auf Nachrichten wartete. Wer
beschreibt ihre Freude, als ihr Gemahl den Retter an der Hand, in ihr Zimmer trat. Sie fand
kein Ende, ihn zu befragen, ihm zu danken; sie ließ ihre Kinder herbeibringen und zeigte
ihnen den hochherzigen Jüngling, dem ihre Mutter so unendlich viel verdanke, und die
Kleinen faßten seine Hände, und der zarte Sinn ihres kindlichen Dankes, ihre
Versicherungen, daß er ihnen nach Vater und Mutter auf der ganzen Erde der Liebste sei,
waren ihm die schönste Entschädigung für manchen Kummer, für die schlaflosen Nächte in
der Hütte der Räuber.
Als die ersten Momente dieses frohen Wiedersehens vorüber waren, winkte die Gräfin einem
Diener, welcher bald darauf jene Kleider und das wohlbekannte Ränzchen herbeibrachte,
welche Felix der Gräfin in der Waldschenke überlassen hatte. "Hier ist alles", sprach sie mit
gütigem Lächeln, "was Ihr mir in jenen furchtbaren Augenblicken gegeben; es ist der Zauber,
womit Ihr mich umhüllt habt, um meine Verfolger mit Blindheit zu schlagen. Es steht Euch
wieder zu Diensten, doch will ich Euch den Vorschlag machen, diese Kleider, die ich zum
Andenken an Euch aufbewahren möchte, mir zu überlassen, und zum Tausch dafür die
Summe anzunehmen, welche die Räuber zum Lösegeld für mich bestimmten."
Felix erschrak über die Größe dieses Geschenkes; sein edler Sinn sträubte sich, einen Lohn
für das anzunehmen, was er aus freiem Willen getan. "Gnädige Gräfin!" sprach er bewegt,
"ich kann dies nicht annehmen. Die Kleider sollen Euer sein, wie Ihr es befehlet; jedoch die
Summe, von der Ihr sprechet, kann ich nicht annehmen. Doch, weil ich weiß, daß Ihr mich
durch irgend etwas belohnen wollet, so erhaltet mir Eure Gnade, statt anderen Lohnes, und
sollte ich in den Fall kommen, Eurer Hilfe zu bedürfen, so dürft Ihr darauf rechnen, daß ich
Euch darum bitten werde." Noch lange drang man in den jungen Mann, aber nichts konnte
seinen Sinn ändern. Die Gräfin und ihr Gemahl gaben endlich nach, und schon wollte der
Diener die Kleider und das Ränzchen wieder wegtragen, als Felix sich an das Geschmeide
erinnerte, das er im Gefühl so vieler freudigen Szenen ganz vergessen hatte.
"Halt!" rief er; "nur etwas müßt Ihr mir noch aus meinem Ränzchen zu nehmen erlauben,
gnädige Frau, das übrige ist dann ganz und völlig Euer."
"Schaltet nach Belieben", sprach sie; "obgleich ich gerne alles zu Eurem Gedächtnis
behalten hätte, so nehmet nur, was Ihr etwa davon nicht entbehren wollet. Doch, wenn man
fragen darf, was liegt Euch denn so sehr am Herzen, daß Ihr es mir nicht überlassen
möget?"
Der Jüngling hatte während dieser Worte sein Ränzchen geöffnet und ein Kästchen von
rotem Saffian herausgenommen. "Was mein ist, könnet Ihr alles haben", erwiderte er
lächelnd, "doch dies gehört meiner lieben Frau Pate; ich habe es selbst gefertigt, und muß
es ihr bringen. Es ist ein Schmuck, gnädige Frau", fuhr er fort, indem er das Kästchen öffnete
und ihr hinbot; "ein Schmuck, an welchem ich mich selbst versucht habe."
Sie nahm das Kästchen; aber nachdem sie kaum einen Blick darauf geworfen, fuhr sie
betroffen zurück.
"Wie! Diese Steine!" rief sie; "und für Eure Pate sind sie bestimmt, sagtet Ihr?"
"Jawohl", antwortete Felix, "meine Frau Pate hat mir die Steine geschick t, ich habe sie
gefaßt, und bin auf dem Wege, sie selbst zu überbringen."
Gerührt sah ihn die Gräfin an; Tränen drangen aus ihren Augen: "So bist du Felix Perner aus
Nürnberg?" rief sie.
"Jawohl! aber woher wißt Ihr so schnell meinen Namen?" fragte der Jüngling, und sah sie
bestürzt an.
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