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unbemerkt an den Hütten vorbeischleichen konnten, doch schlug der Hauptmann nicht den
gewöhnlichen Pfad ein, der aus der Schlucht in den Wald hinaufführte, sondern er näherte
sich einem Felsen, der ganz senkrecht, und wie es schien, unzugänglich vor ihnen lag. Als
sie dort angekommen waren, machte der Hauptmann auf eine Strickleiter aufmerksam, die
an dem Felsen herabgespannt war. Er warf seine Büchse auf den Rücken und stieg zuerst
hinan, dann rief er der Gräfin zu, ihm zu folgen, und bot ihr die Hand zur Hülfe, der Jäger
stieg zuletzt herauf. Hinter diesem Felsen zeigte sich ein Fußpfad, den sie einschlugen und
rasch vorwärts gingen.
"Dieser Fußpfad", sprach der Hauptmann, "führt nach der Aschaffenb urger Straße. Dorthin
wollen wir uns begeben, denn ich habe genau erfahren, daß Ihr Gemahl, der Graf, sich
gegenwärtig dort aufhält."
Schweigend zogen sie weiter; der Räuber immer voran, die drei andern dicht hinter ihm.
Nach drei Stunden hielten sie an; der Hauptmann lud Felix ein, sich auf einen Baumstamm
zu setzen, um auszuruhen. Er zog Brot, eine Feldflasche mit altem Wein hervor, und bot es
den Ermüdeten an. "Ich glaube, wir werden, ehe eine Stunde vergeht, auf den Kordon
stoßen, den das Militär durch den Wald gezogen hat. In diesem Fall bitte ich Sie mit dem
Anführer der Soldaten zu sprechen, und gute Behandlung für mich zu verlangen."
Felix sagte auch dies zu, obwohl er sich von seiner Fürsprache geringen Erfolg versprach.
Sie ruhten noch eine halbe Stunde, und brachen dann auf. Sie mochten etwa wieder eine
Stunde gegangen sein und näherten sich schon der Landstraße, der Tag fing an
heraufzukommen und die Dämmerung verbreitete sich schon im Wald, als ihre Schritte
plötzlich durch ein lautes "Halt! Steht!" gefesselt wurden. Sie hielten, und fünf Soldaten
rückten gegen sie vor, und bedeuteten ihnen, sie müßten folgen und vor dem
kommandierenden Major sich über ihre Reise ausweisen. Als sie noch etwa fünfzig Schritte
gegangen waren, sahen sie links und rechts im Gebüsch Gewehre blitzen, eine große Schar
schien den Wald besetzt zu haben. Der Major saß mit mehreren Offizieren und andern
Männern unter einer Eiche. Als die Gefangenen vor ihn gebracht wurden, und er eben
anfangen wollte, sie zu examinieren über das "Woher" und "Wohin", sprang einer der
Männer auf und rief: "Mein Gott, was sehe ich, das ist ja Gottfried, unser Jäger!" "Jawohl,
Herr Amtmann!" antwortete der Jäger mit freudiger Stimme, "da bin ich, und wunderbar
gerettet aus der Hand des schlechten Gesindels"
Die Offiziere erstaunten, ihn hier zu sehen; der Jäger aber bat den Major und den Amtmann,
mit ihm auf die Seite zu treten, und erzählte in kurzen Worten, wie sie errettet worden, und
wer der dritte sei, welcher ihn und den jungen Goldschmidt begleitete.
Erfreut über diese Nachricht traf der Major sogleich seine Maßregeln, den wichtigen
Gefangenen weitertransportieren zu lassen, den jungen Goldschmidt aber führte er zu
seinen Kameraden, stellte ihn als den heldenmütigen Jüngling vor, der die Gräfin durch
seinen Mut und seine Geistesgegenwart gerettet habe, und alle schüttelten Felix freudig die
Hand, lobten ihn und konnten nicht satt werden, sich von ihm und dem Jäger ihre Schicksale
erzählen zu lassen.
Indessen war es völlig Tag geworden. Der Major beschloß, die Befreiten selbst bis in die
Stadt zu begleiten; er ging mit ihnen und dem Amtmann der Gräfin in das nächs te Dorf, wo
sein Wagen stand, und dort mußte sich Felix zu ihm in den Wagen setzen, der Jäger, der
Student, der Amtmann und viele andere Leute ritten vor und hinter ihnen, und so zogen sie
im Triumph der Stadt zu. Wie ein Lauffeuer hatte sich das Gerücht von dem Überfall in der
Waldschenke, von der Aufopferung des jungen Goldarbeiters in der Gegend verbreitet, und
ebenso reißend ging jetzt die Sage von seiner Befreiung von Mund zu Mund. Es war daher
nicht zu verwundern, daß in der Stadt, wohin sie zogen, die Straßen gedrängt voll Menschen
standen, die den jungen Helden sehen wollten. Alles drängte sich zu, als der Wagen
langsam hereinfuhr: "Das ist er", riefen sie, "seht ihr ihn dort im Wagen neben dem Offizier;
es lebe der brave Goldschmidtsjunge!" und ein tausendstimmiges "Hoch!" füllte die Lüfte.
Felix war beschämt, gerührt von der rauschenden Freude der Menge. Aber noch ein
rührenderer Anblick stand ihm auf dem Rathause der Stadt bevor. Ein Mann von mittleren
Jahren, in reichen Kleidern, empfing ihn an der Treppe und umarmte ihn mit Tränen in den
Augen. "Wie kann ich dir vergelten, mein Sohn", rief er; "du hast mir viel gegeben, als ich
nahe daran war, unendlich viel zu verlieren! Du hast mir die Gattin, meinen Kindern die
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