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setzen könnte.
"Es ist mir unmöglich", fuhr der Hauptmann fort, "eine Dame, die meine vollkommene
Achtung hat, also in Gefahr zu setzen. Darum will ich Euch einen Vorschlag zur Rettung
machen, es ist der einzige Ausweg, der Euch übrigbleibt: Ich will mit Euch entfliehen."
Erstaunt, überrascht blickten ihn beide an; er aber sprach weiter: "Die Mehrzahl meiner
Gesellen ist entschlossen, nach Italien zu ziehen und unter einer weitverbreiteten Bande
Dienste zu nehmen. Mir für meinen Teil behagt es nicht, unter einem andern zu dienen, und
darum werde ich keine gemeinschaftliche Sache mit ihnen machen. Wenn Ihr mir nun Euer
Wort geben wolltet, Frau Gräfin, für mich gutzusprechen, Eure mächtigen Verbindungen zu
meinem Schutze anzuwenden, so kann ich Euch noch frei machen, ehe es zu spät ist."
Felix schwieg verlegen; sein redliches Herz sträubte sich, den Mann, der ihm das Leben
retten wollte, geflissentlich einer Gefahr auszusetzen, vor welcher er ihn nachher nicht
schützen könnte. Als er noch immer schwieg, fuhr der Hauptmann fort: "Man sucht
gegenwärtig überall Soldaten; ich will mit dem geringsten Dienst zufrieden sein. Ich weiß,
daß Ihr viel vermöget, aber ich will ja nichts weiter, als Euer Versprechen, etwas für mich in
dieser Sache zu tun."
"Nun denn", antwortete Felix mit niedergeschlagenen Augen, "ich verspreche Euch, was ich
tun kann, was in meinen Kräften steht, anzuwenden, um Euch nützlich zu sein. Liegt doch,
wie es Euch auch ergehe, ein Trost für mich darin, daß Ihr diesem Räuberleben Euch selbst
und freiwillig entzogen habt."
Gerührt küßte der Hauptmann die Hand dieser gütigen Dame, flüsterte ihr noch zu, sich zwei
Stunden nach Anbruch der Nacht bereit zu halten, und verließ dann, ebenso vorsichtig, wie
er gekommen war, die Hütte. Die Gefangenen atmeten freier, als er hinweggegangen war.
"Wahrlich!" rief der Jäger, "dem hat Gott das Herz gelenkt! Wie wunderbar sollen wir errettet
werden! Hätte ich mir träumen lassen, daß in der Welt noch etwas dergleichen geschehen
könnte, und daß mir ein solches Abenteuer begegnen sollte?"
"Wunderbar, allerdings!" erwiderte Felix, "aber habe ich auch recht getan, diesen Mann zu
betrügen? Was kann ihm mein Schutz frommen? Saget selbst Jäger, heißt es ihn nicht an
den Galgen locken, wenn ich ihm nicht gestehe, wer ich bin?"
"Ei, wie mögt Ihr solche Skrupel haben, lieber Junge!" entgegnete der Student, "nachdem Ihr
Eure Rolle so meisterhaft gespielt! Nein, darüber dürft Ihr Euch nicht ängstigen, das ist nichts
anderes, als erlaubte Notwehr. Hat er doch den Frevel begangen, eine angesehene Frau
schändlicherweise von der Straße entführen zu wollen, und wäret Ihr nicht gewesen, wer
weiß, wie es um das Leben der Gräfin stünde. Nein, Ihr habt nicht unrecht getan; übrigens
glaube ich, er wird bei den Gerichten sich einen Stein im Brett gewinnen, wenn er, das Haupt
dieses Gesindels, sich selbst ausliefert."
Dieser letztere Gedanke tröstete den jungen Goldschmidt. Freudig bewegt und doch wieder
voll banger Besorgnis über das Gelingen des Planes durchlebten sie die nächsten Stunden.
Es war schon dunkel, als der Hauptmann auf einen Augenblick in die Hütte trat, einen
Bündel Kleider niederlegte und sprach: "Frau Gräfin, um unsere Flucht zu erleichtern, müßt
Ihr notwendig diese Männerkleidung anlegen. Machet Euch fertig. In einer Stunde treten wir
den Marsch an." Nach diesen Worten verließ er die Gefangenen und der Jäger hatte Mühe,
nicht laut zu lachen. "Das wäre nun die zweite Verkleidung", rief er, "und ich wollte schwören,
diese steht Euch noch besser, als die erste!"
Sie öffneten den Bündel und fanden ein hübsches Jagdkleid mit allem Zubehör, das Felix
trefflich paßte. Nachdem er sich gerüstet, wollte der Jäger die Kleider der Gräfin in einen
Winkel der Hütte werfen, Felix gab es aber nicht zu; er legte sie zu einem kleinen Bündel
zusammen, und äußerte, er wolle die Gräfin bitten, sie ihm zu schenken, und sie dann sein
ganzes Leben hindurch zum Andenken an diese merkwürdigen Tage aufbewahren.
Endlich kam der Hauptmann. Er war vollständig bewaffnet und brachte dem Jäger die
Büchse, die man ihm abgenommen, und ein Pulverhorn. Auch dem Studenten gab er eine
Flinte, und Felix reichte er einen Hirschfänger, mit der Bitte, ihn auf den Fall der Not
umzuhängen. Es war ein Glück für die drei, daß es sehr dunkel war, denn leicht hätten die
leuchtenden Blicke, womit Felix diese Waffe empfing, dem Räuber seinen wahren Stand
verraten können. Als sie behutsam aus der Hütte getreten waren, bemerkte der Jäger, daß
der gewöhnliche Posten an der Hütte diesmal nicht besetzt sei. So war es möglich, daß sie
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