| |
wieder hineinsetzen."
"Gemach, Herr Michel!" rief Peter, trat einen Schritt zurück, und hielt ihm das Kreuzlein
entgegen. "Mit Speck fängt man Mäuse und diesmal bist du der Betrogene." Und zugleich
fing er an zu beten, was ihm nur beifiel.
Da wurde Michel kleiner und immer kleiner, fiel nieder und wand sich hin und her wie ein
Wurm und ächzte und stöhnte, und alle Herzen umher fingen an zu zucken und zu pochen,
daß es tönte, wie in der Werkstatt eines Uhrenmachers. Peter aber fürchtete sich, es wurde
ihm ganz unheimlich zumut, er rannte zur Kammer und zum Haus hinaus, und klimmte, von
Angst getrieben, die Felsenwand hinan; denn er hörte, daß Michel sich aufraffte, stampfte
und tobte, und ihm schreckliche Flüche nachschickte. Als er oben war, lief er dem
Tannenbühl zu; ein schreckliches Wetter zog auf, Blitze fielen links und rechts an ihm nieder,
und zerschmetterten die Bäume, aber er kam wohlbehalten in dem Revier des
Glasmännleins an.
Sein Herz pochte freudig, und nur darum, weil es pochte. Dann aber sah er mit Entsetzen
auf sein Leben zurück, wie auf das Gewitter, das hinter ihm rechts und links den schönen
Wald zersplitterte. Er dachte an Frau Lisbeth, sein schönes, gutes Weib, das er aus Geiz
gemordet, er kam sich selbst wie der Auswurf der Menschen vor, und er weinte heftig, als er
an Glasmännleins Hügel kam.
Schatzhauser saß schon unter dem Tannenbaum und rauchte aus seiner kleinen Pfeife,
doch sah er munterer aus, als zuvor. "Warum weinst du, Kohlen-Peter?" fragte er, "hast du
dein Herz nicht erhalten? Liegt noch das kalte in deiner Brust?"
"Ach Herr!" seufzte Peter; "als ich noch das kalte Steinherz trug, da weinte ich nie, meine
Augen waren so trocken, als das Land im Juli; jetzt aber will es mir beinahe das alte Herz
zerbrechen, was ich getan! Meine Schuldner hab ich ins Elend gejagt, auf Arme und Kranke
die Hunde gehetzt, und, Ihr wißt es ja selbst - wie meine Peitsche auf ihre schöne Stirne fiel!"
"Peter! Du warst ein großer Sünder!" sprach das Männlein. "Das Geld und der Müßig gang
haben dich verderbt, bis dein Herz zu Stein wurde, nicht Freud, nicht Leid, keine Reue, kein
Mitleid mehr kannte. Aber Reue versöhnt, und wenn ich nur wüßte, daß dir dein Leben recht
leid tut, so könnte ich schon noch was für dich tun."
"Will nichts mehr", antwortete Peter und ließ traurig sein Haupt sinken. "Mit mir ist es aus;
kann mich mein Lebtag nicht mehr freuen; was soll ich so allein auf der Welt tun? Meine
Mutter verzeiht mir nimmer, was ich ihr getan und vielleicht hab ich sie unter den Boden
gebracht, ich Ungeheuer! Und Lisbeth, meine Frau! Schlaget mich lieber auch tot, Herr
Schatzhauser, dann hat mein elend Leben mit einmal ein Ende."
"Gut", erwiderte das Männlein, "wenn du nicht anders willst, so kannst du es haben; meine
Axt hab ich bei der Hand." Er nahm ganz ruhig sein Pfeiflein aus dem Mund, klopfte es aus
und steckte es ein. Dann stand er langsam auf und ging hinter die Tannen. Peter aber setzte
sich weinend ins Gras, sein Leben war ihm nichts mehr und er erwartete geduldig den
Todesstreich. Nach einiger Zeit hörte er leise Tritte hinter sich und dachte: jetzt wird er
kommen.
"Schau dich noch einmal um, Peter Munk!" rief das Männlein. Er wischte sich die Tränen aus
den Augen, und schaute sich um, und sah - seine Mutter und Lisbeth seine Frau, die ihn
freundlich anblickten. Da sprang er freudig auf: "So bist du nicht tot, Lisbeth; und auch Ihr
seid da, Mutter und habt mir vergeben?"
"Sie wollen dir verzeihen", sprach das Glasmännlein, "weil du wahre Reue fühlst und alles
soll vergessen sein. Zieh jetzt heim in deines Vaters Hütte, und sei ein Köhler wie zuvor; bist
du brav und bieder, so wirst du dein Handwerk ehren und deine Nachbarn werden dich mehr
lieben und achten, als wenn du zehen Tonnen Goldes hättest." So sprach das Glasmännlein
und nahm Abschied von ihnen.
Die drei lobten und segneten ihn und gingen heim.
Das prachtvolle Haus des reichen Peters stand nicht mehr; der Blitz hatte es angezündet
und mit all seinen Schätzen niedergebrannt; aber nach der väterlichen Hütte war es nicht
weit; dorthin ging jetzt ihr Weg und der große Verlust bekümmerte sie nicht.
Aber wie staunten sie, als sie an die Hütte kamen! Sie war zu einem schönen Bauernhaus
geworden, und alles darin war einfach, aber gut und reinlich.
"Das hat das gute Glasmännlein getan!" rief Peter.
|
| |
|
|