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sitzen, oder schwarz und berußt und den Leuten ein Abscheu, hinab in die Städte zu fahren
und seine Kohlen zu verkaufen. Aber ein Köhler hat viel Zeit zum Nachdenken über sich und
andere, und wenn Peter Munk an seinem Meiler saß, stimmten die dunkeln Bäume umher
und die tiefe Waldesstille sein Herz zu Tränen und unbewußter Sehnsucht. Es betrübte ihn
etwas, es ärgerte ihn etwas, er wußte nicht recht was. Endlich merkte er sich ab was ihn
ärgerte, und das war - sein Stand. "Ein schwarzer, einsamer Kohlenbre nner!" sagte er sich,
"es ist ein elend Leben. Wie angesehen sind die Glasmänner, die Uhrenmacher, selbst die
Musikanten am Sonntag abends! Und wenn Peter Munk, rein gewaschen und geputzt, in des
Vaters Ehrenwams mit silbernen Knöpfen und mit nagelneuen roten Strümpfen erscheint,
und wenn dann einer hinter mir her geht und denkt, wer ist wohl der schlanke Bursche? Und
lobt bei sich die Strümpfe und meinen stattlichen Gang - sieh, wenn er vorübergeht und
schaut sich um, sagt er gewiß: 'Ach es ist nur der Köhler-Munk- Peter.' "
Auch die Flözer auf der andern Seite waren ein Gegenstand seines Neides. Wenn diese
Waldriesen herüberkamen, mit stattlichen Kleidern, und an Knöpfen, Schnallen und Ketten
einen halben Zentner Silber auf dem Leib trugen, wenn sie mit ausgespreizten Beinen und
vornehmen Gesichtern dem Tanz zuschauten, holländisch fluchten und wie die vornehmsten
Mynheers aus ellenlangen kölnischen Pfeifen rauchten, da stellte er sich als das vollendetste
Bild eines glücklichen Menschen solch einen Flözer vor. Und wenn diese Glücklichen dann
erst in die Taschen fuhren, ganze Hände voll großer Taler herauslangten und um
Sechsbätzner würfelten, fünf Gulden hin, zehn her, so wollten ihm die Sinne vergehen, und
er schlich trübselig nach seiner Hütte; denn an manchem Feiertagabend hatte er einen oder
den andern dieser "Holzherren" mehr verspielen sehen, als der arme Vater Munk in einem
Jahr verdiente. Es waren vorzüglich drei dieser Männer, von welchen er nicht wußte,
welchen er am meisten bewundern sollte. Der eine war ein dicker, großer Mann, mit rotem
Gesicht, und galt für den reichsten Mann in der Runde. Man hieß ihn den dicken Ezechiel. Er
reiste alle Jahre zweimal mit Bauholz nach Amsterdam, und hatte das Glück, es immer um
so viel teurer als andere zu verkaufen, daß er, wenn die übrigen zu Fuß heimgingen, stattlich
herauffahren konnte. Der andere war der längste und magerste Mensch im ganzen Wald,
man nannte ihn den langen Schlurker, und diesen beneidete Munk wegen seiner
ausnehmenden Kühnheit; er widersprach den angesehensten Leuten, brauchte, wenn man
noch so gedrängt im Wirtshaus saß, mehr Platz als vier der Dicksten, denn er stützte
entweder beide Ellbogen auf den Tisch oder zog eines seiner langen Beine zu sich auf die
Bank, und doch wagte ihm keiner zu widersprechen, denn er hat unmenschlich viel Geld.
Der dritte aber war ein schöner, junger Mann, der am besten tanzte weit und breit, und daher
den Namen Tanzbodenkönig hatte. Er war ein armer Mensch gewesen, und hatte bei einem
Holzherren als Knecht gedient; da wurde er auf einmal steinreich; die einen sagten, er habe
unter einer alten Tanne einen Topf voll Geld gefunden, die andern behaupteten, er habe
unweit Bingen im Rhein mit der Stechstange, womit die Flözer zuweilen nach den Fischen
stechen, einen Pack mit Goldstücken heraufgefischt, und der Pack gehöre zu dem großen
Nibelungenhort, der dort vergraben liegt, kurz, er war auf einmal reich geworden, und wurde
von jung und alt angesehen wie ein Prinz.
An diese drei Männer dachte Kohlen-Munk-Peter oft, wenn er einsam im Tannenwald saß.
Zwar hatten alle drei einen Hauptfehler, der sie bei den Leuten verhaßt machte, es war dies
ihr unmenschlicher Geiz, ihre Gefühllosigkeit gegen Schuldner und Arme, denn die
Schwarzwälder sind ein gutmütiges Völklein; aber man weiß wie es mit solchen Dingen geht;
waren sie auch wegen ihres Geizes verhaßt, so standen sie doch wegen ihres Geldes in
Ansehen; denn wer konnte Taler wegwerfen, wie sie, als ob man das Geld von den Tannen
schüttelte?
"So geht es nicht mehr weiter", sagte Peter eines Tages schmerzlich betrübt zu sich, denn
tags zuvor war Feiertag gewesen, und alles Volk in der Schenke; "wenn ich nicht bald auf
den grünen Zweig komme, so tu ich mir etwas zuleid; wär ich doch n ur so angesehen und
reich, wie der dicke Ezechiel, oder so kühn und so gewaltig wie der lange Schlurker, oder so
berühmt, und könnte den Musikanten Taler statt Kreuzer zuwerfen, wie der Tanzbodenkönig!
Wo nur der Bursche das Geld her hat?" Allerlei Mittel ging er durch, wie man sich Geld
erwerben könne, aber keines wollte ihm gefallen; endlich fielen ihm auch die Sagen von
Leuten bei, die vor alten Zeiten durch den "Holländer-Michel" und durch das "Glasmännlein"
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