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die Leben der Menschen?
Es quält ihn auch nachts im Traume, und alle Augenblicke wachte er auf an einer süßen
Stimme, die ihm zurief: "Peter, schaff dir ein wärmeres Herz!" und wenn er erwacht war,
schloß er doch schnell wieder die Augen, denn der Stimme nach mußte es Frau Lisbeth
sein, die ihm diese Warnung zurief. Den andern Tag ging er ins Wirtshaus, um seine
Gedanken zu zerstreuen und dort traf er den dicken Ezechiel. Er setzte sich zu ihm, sie
sprachen dies und jenes, vom schönen Wetter, vom Krieg, von den Steuern und endlich
auch vom Tod, und wie da und dort einer so schnell gestorben sei. Da fragte Peter den
Dicken, was er denn vom Tod halte, und wie es nachher sein werde? Ezechiel antwortete
ihm, daß man den Leib begrabe, die Seele aber fahre entweder auf zum Himmel oder hinab
in die Hölle.
"Also begrabt man das Herz auch?" fragte Peter gespannt.
"Ei freilich, das wird auch begraben."
"Wenn aber einer sein Herz nicht mehr hat?" fuhr Peter fort.
Ezechiel sah ihn bei diesen Worten schrecklich an: "Was willst du damit sagen?Wwillst du
mich foppen? Meinst du, ich habe kein Herz?"
"Oh, Herz genug, so fest wie Stein", erwiderte Peter.
Ezechiel sah ihn verwundert an; schaute sich um, ob es niemand gehört habe, und sprach
dann: "Woher weißt du es? Oder pocht vielleicht das deinige auch nicht mehr!"
"Pocht nicht mehr, wenigstens nicht hier in meiner Brust", antwortete Peter Munk. "Aber sag
mir, da du jetzt weißt, was ich meine, wie wird es gehen mit unseren Herzen?"
"Was kümmert dich dies Gesell!?" fragte Ezechiel lachend. "Hast ja auf Erden vollauf zu
leben und damit genug. Das ist ja gerade das Bequeme in unsern kalten Herzen, daß uns
keine Furcht befällt, vor solchen Gedanken."
"Wohl wahr, aber man denkt doch daran, und wenn ich auch jetzt keine Furcht mehr kenne,
so weiß ich doch wohl noch, wie sehr ich mich vor der Hölle gefürchtet, als ich noch ein
kleiner unschuldiger Knabe war."
"Nun - gut wird es uns gerade nicht gehen", sagte Ezechiel. "Hab mal einen Schulmeister
darüber befragt, der sagte mir, daß nach dem Tod die Herzen gewogen werden, wie schwer
sie sich versündiget hätten. Die leichten steigen auf, die schweren sinken hinab, und ich
denke, unsere Steine werden ein gutes Gewicht haben."
"Ach freilich", erwiderte Peter, "und es ist mir oft selbst unbequem, daß mein Herz so
teilnahmslos und ganz gleichgültig ist, wenn ich an solche Dinge denke."
So sprachen sie; aber in der nächsten Nacht hörte er fünf- oder sechsmal die bekannte
Stimme in sein Ohr lispeln: "Peter, schaff dir ein wärmeres Herz!" Er empfand keine Reue,
daß er sie getötet, aber wenn er dem Gesinde sagte, seine Frau sei verreist, so dachte er
immer dabei, wohin mag sie wohl gereist sein? Sechs Tage hatte er es so getrieben, und
immer hörte er nachts diese Stimme und immer dachte er an den Waldgeist und seine
schreckliche Drohung; aber am siebenten Morgen sprang er auf von seinem Lager, und rief:
"Nun ja, will sehen, ob ich mir ein wärmeres schaffen kann, denn der gleichgültige Stein in
meiner Brust macht mir das Leben nur langweilig und öde." Er zog schnell seinen
Sonntagsstaat an, und setzte sich auf sein Pferd und ritt dem Tannenbühl zu.
Im Tannenbühl, wo die Bäume dichter standen, saß er ab, band sein Pferd an, und ging
schnellen Schrittes dem Gipfel des Hügels zu, und als er vor der dicken Tanne stand, hub er
seinen Spruch an:
"Schatzhauser im grünen Tannenwald
Bist viele hundert Jahre alt
Dein ist all' Land, wo Tannen stehen,
Läßt dich nur Sonntagskindern sehen."
Da kam das Glasmännlein hervor, aber nicht freundlich und traulich, wie sonst, sondern
düster und traurig; es hatte ein Röcklein an von schwarzem Glas und ein langer Trauerflor
flatterte herab vom Hut und Peter wußte wohl, um wen es traure.
"Was willst du von mir, Peter Munk?" fragte es mit dumpfer Stimme.
"Ich hab noch einen Wunsch, Herr Schatzhauser", antwortete Peter, mit niedergeschlagenen
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