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Waldsteig hinan, und standen dann mit einemmal an einer dunkeln, tiefen, abschüssigen
Schlucht; Holländer-Michel sprang den Felsen hinab, wie wenn es eine sanfte Marmortreppe
wäre; aber bald wäre Peter in Ohnmacht gesunken, denn als jener unten angekommen war,
machte er sich so groß wie ein Kirchturm und reichte ihm einen Arm, so lange als ein
Weberbaum, und eine Hand daran, so breit als der Tisch im Wirtshaus, und rief mit einer
Stimme, die heraufschallte wie eine tiefe Totenglocke: "Setz dich nur auf meine Hand und
halte dich an den Fingern, so wirst du nicht fallen." Peter tat zitternd, wie jener befohlen,
nahm Platz auf der Hand, und hielt sich am Daumen des Riesen.
Es ging weit und tief hinab, aber dennoch ward es zu Peters Verwunderung nicht dunkler, im
Gegenteil, die Tageshelle schien sogar zuzunehmen in der Schlucht, aber er konnte sie
lange in den Augen nicht ertragen. Der Holländer-Michel hatte sich, je weiter Peter
herabkam, wieder kleiner gemacht, und stand nun in seiner früheren Gestalt vor einem
Haus, so gering oder gut, als es reiche Bauern auf dem Schwarzwald haben. Die Stube,
worein Peter geführt wurde, unterschied sich durch nichts von den Stuben anderer Leute, als
dadurch, daß sie einsam schien.
Die hölzerne Wanduhr, der ungeheure Kachelofen, die breiten Bänke, die Gerätschaften auf
den Gesimsen, waren hier wie überall. Michel wies ihm einen Platz hinter dem großen Tisch
an, ging dann hinaus, und kam bald mit einem Krug Wein und Gläsern wieder. Er goß ein
und nun schwatzten sie, und Holländer-Michel erzählte von den Freuden der Welt, von
fremden Ländern, schönen Städten und Flüssen, daß Peter, am Ende große Sehnsucht
darnach bekommend, dies auch offen dem Holländer erzählte.
"Wenn du im ganzen Körper Mut und Kraft etwas zu unternehmen hattest, da konnten ein
paar Schläge des dummen Herzens dich zittern machen; und dann die Kränkungen der
Ehre, das Unglück, für was soll sich ein vernünftiger Kerl um dergleichen bekümmern? Hast
du's im Kopf empfunden, als dich letzthin einer einen Betrüger und schlechten Kerl nannte?
Hat es dir im Magen wehe getan, als der Amtmann kam, dich aus dem Haus zu werfen?
Was? Sag an, was hat dir wehe getan?"
"Mein Herz", sprach Peter, indem er die Hand auf die pochende Brust preßte, denn es war
ihm, als ob sein Herz sich ängstlich hin und her wendete.
"Du hast, nimm mir es nicht übel, du hast viele hundert Gulden an schlechte Bettler und
anderes Gesindel weggeworfen; was hat es dir genützt? Sie haben dir dafür Segen und
einen gesunden Leib gewünscht; ja bist du deswegen gesünder geworden? Um die Hälfte
des verschleuderten Geldes hättest du einen Arzt gehalten. Segen, ja ein schöner Segen,
wenn man ausgepfändet und ausgestoßen wird! Und was war es, das dich getrieben, in die
Tasche zu fahren, sooft ein Bettelmann seinen zerlumpten Hut hinstreckte? - Dein Herz,
auch wieder dein Herz, und weder deine Augen, noch deine Zunge, deine Arme noch deine
Beine, sondern dein Herz. Du hast dir es, wie man richtig sagt, zu sehr zu Herzen
genommen."
"Aber wie kann man sich denn angewöhnen, daß es nicht mehr so ist? Ich gebe mir jetzt alle
Mühe, es zu unterdrücken, und dennoch pocht mein Herz und tut mir wehe."
"Du freilich", rief jener mit Lachen, "du armer Schelm, kannst nichts dagegen tun; aber gib
mir das kaum pochende Ding und du wirst sehen, wie gut du es dann hast."
"Euch, mein Herz?" schrie Peter mit Entsetzen. "Da müßte ich ja sterben auf der Stelle!
Nimmermehr!"
"Ja, wenn dir einer eurer Herrn Chirurgen das Herz aus dem Leib operieren wollte, da
müßtest du wohl sterben; bei mir ist dies ein anderes Ding; doch komm herein und
überzeuge dich selbst." Er stand bei diesen Worten auf, öffnete eine Kammertüre und führte
Peter hinein. Sein Herz zog sich krampfhaft zusammen, als er über die Schwelle trat, aber er
achtete es nicht, denn der Anblick, der sich ihm bot, war sonderbar und überraschend. Auf
mehreren Gesimsen von Holz standen Gläser, mit durchsichtiger Flüssigkeit gefüllt, und in
jedem dieser Gläser lag ein Herz, auch waren an den Gläsern Zettel angeklebt und Namen
darauf geschrieben, die Peter neugierig las; da war das Herz des Amtmanns in F.; das Herz
des dicken Ezechiel, das Herz des Tanzbodenkönigs, das Herz des Oberförsters; da waren
sechs Herzen von Kornwucherern, acht von Werbeoffizieren, drei von Geldmaklern - kurz es
war eine Sammlung der angesehensten Herzen in der Umgegend von zwanzig Stunden.
"Schau!" sprach Holländer-Michel, "diese alle haben des Lebens Ängsten und Sorgen
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