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Das kalte Herz

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und teuer, und schwur, der Kleine sei an all seinem Unglück schuld: "Was tu ich nun mit Pferd und Wägelchen?" rief er, "was nutzt mir die Hütte und all mein Glas? Selbst als ich noch ein elender Köhlersbursch war, lebte ich froher, und hatte keine Sorgen; jetzt weiß ich nicht, wenn der Amtmann kommt, und meine Habe schätzt und versteigert der Schulden wegen!" "So?" entgegnete das Glasmännlein; "so? Ich also soll schuld daran sein, wenn du unglücklich bist? Ist dies der Dank für meine Wohltaten? Wer hieß dich auch so töricht wünschen? Ein Glasmann wolltest du sein, und wußtest nicht wohin dein Glas verkaufen? Sagte ich dir nicht, du solltest behutsam wünschen? Verstand, Peter, Klugheit hat dir gefehlt." "Was Verstand und Klugheit!" rief jener, "ich bin ein so kluger Bursche als irgendeiner, und will es dir zeigen, Glasmännlein", und bei diesen Worten faßte er das Männlein unsanft am Kragen und schrie: "Hab ich dich jetzt, Schatzhauser im grünen Tannenwald? Und den dritten Wunsch will ich jetzt tun, den sollst du mir gewähren; und so will ich hier auf der Stelle zweimalhunderttausend harte Taler, und ein Haus und - o weh!" schrie er und schüttelte die Hand, denn das Waldmännchen hatte sich in glühendes Glas verwandelt und brannte in seiner Hand wie sprühendes Feuer. Aber von dem Männlein war nichts mehr zu sehen. Mehrere Tage lang erinnerte ihn seine geschwollene Hand an seine Undankbarkeit und Torheit; dann aber übertäubte er sein Gewissen und sprach: "Und wenn sie mir die Glashütte und alles verkaufen, so bleibt mir doch noch immer der dicke Ezechiel; solange der Geld hat am Sonntag, kann es mir nicht fehlen." Ja Peter! Aber wenn er keines hat? Und so geschah es eines Tages und war ein wunderliches Rechenexempel. Denn eines Sonntags kam er angefahren ans Wirtshaus, und die Leute streckten die Köpfe durch die Fenster, und der eine sagte: "Da kommt der Spiel- Peter", und der andere: "Ja der Tanzkaiser, der reiche Glasmann", und ein dritter schüttelte den Kopf und sprach: "Mit dem Reichtum kann man es machen, man sagt alle rlei von seinen Schulden, und in der Stadt hat einer gesagt, der Amtmann werde nicht mehr lang säumen zum Auspfänden." Indessen grüßte der reiche Peter die Gäste am Fenster vornehm und gravitätisch, stieg vom Wagen und schrie: "Sonnenwirt, guten Abend, ist der dicke Ezechiel schon da?" Und eine tiefe Stimme rief: "Nur herein Peter! Dein Platz ist dir aufbehalten, wir sind schon da und bei den Karten." So trat Peter Munk in die Wirtsstube, und fuhr gleich in die Tasche, und merkte, daß Ezechiel gut versehen sein müsse, denn seine Tasche war bis oben angefüllt. Er setzte sich hinter den Tisch zu den andern, und spielte und gewann und verlor hin und her, und so spielten sie, bis andere ehrliche Leute, als es Abend wurde, nach Hause gingen, und spielten bei Licht, bis zwei andere Spieler sagten: "Jetzt ist's genug, und wir müssen heim zu Frau und Kind." Aber Spiel-Peter forderte den dicken Ezechiel auf zu bleiben; dieser wollte lange nicht, endlich aber rief er: "Gut, jetzt will ich mein Geld zählen und dann wollen wir knöcheln, den Satz um fünf Gulden, denn niederer ist es doch nur Kinderspiel." Er zog den Beutel und zählte, und fand hundert Gulden bar, und Spiel-Peter wußte nun wieviel er selbst habe und brauchte es nicht erst zu zählen. Aber hatte Ezechiel vorher gewonnen, so verlor er jetzt Satz für Satz, und fluchte greulich dabei. Warf er einen Pasch, gleich warf Spiel-Peter auch einen, und immer zwei Augen höher. Da setzte er endlich die letzten fünf Gulden auf den Tisch und rief: "Noch einmal, und wenn ich auch den noch verliere, so höre ich doch nicht auf, dann leihst du mir von deinem Gewinn, Peter, ein ehrlicher Kerl hilft dem andern!" "Soviel du willst, und wenn es hundert Gulden sein sollten", sprach der Tanzkaiser, fröhlich über seinen Gewinn, und der dicke Ezechiel schüttelte die Würfel und warf fünfzehn. "Pasch!" rief er, "jetzt wollen wir sehen!" Peter aber warf achtzen, und eine heisere bekannte Stimme hinter ihm sprach: "So, das war der letzte." Er sah sich um, und riesengroß stand der Holländer-Michel hinter ihm; erschrocken ließ er das Geld fallen, das er schon eingezogen hatte. Aber der dicke Ezechiel sah den Waldmann nicht, sondern verlangte, der Spiel-Peter solle ihm zehn Gulden vorstrecken zum Spiel; halb im Traum fuhr dieser mit der Hand in die Tasche, aber da war kein Geld, er suchte in der andern Tasche, aber auch da fand sich nichts, er kehrte den Rock um, aber es fiel kein roter Heller heraus, und jetzt erst gedachte er seines eigenen ersten Wunsches, immer soviel
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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