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glaubte nicht anders, als ihr Sohn sei zum Soldaten ausgehoben worden. Er aber war
fröhlich und guter Dinge, und erzählte ihr, wie er im Wald einen guten Freund getroffen, der
ihm Geld vorgeschossen habe, um ein anderes Geschäft, als Kohlenbrennen, anzufangen.
Obgleich seine Mutter schon seit dreißig Jahren in der Köhlerhü tte wohnte, und an den
Anblick berußter Leute so gewöhnt war, als jede Müllerin an das Mehlgesicht ihres Mannes,
so war sie doch eitel genug, sobald ihr Peter ein glänzenderes Los zeigte, ihren früheren
Stand zu verachten, und sprach: "Ja, als Mutter eines Mannes, der eine Glashütte besitzt,
bin ich doch was anderes, als Nachbarin Grete und Bete, und setze mich in Zukunft vornehin
in der Kirche, wo rechte Leute sitzen." Ihr Sohn aber wurde mit den Erben der Glashütte bald
handelseinig; er behielt die Arbeiter, die er vorfand, bei sich, und ließ nun Tag und Nacht
Glas machen. Anfangs gefiel ihm das Handwerk wohl; er pflegte gemächlich in die Glashütte
hinabzusteigen, ging dort mit vornehmen Schritten, die Hände in die Taschen gesteckt, hin
und her, guckte dahin, guckte dorthin, sprach dies und jenes, worüber seine Arbeiter oft nicht
wenig lachten, und seine größte Freude war das Glas blasen zu sehen, und oft machte er
sich selbst an die Arbeit, und formte aus der noch weichen Masse die sonderbarsten
Figuren. Bald aber war ihm die Arbeit entleidet, und er kam zuerst nur noch eine Stunde des
Tages in die Hütte, dann nur alle zwei Tage, endlich die Woche nur einmal, und seine
Gesellen machten was sie wollten. Das alles kam aber nur vom Wirtshauslaufen; den
Sonntag, nachdem er vom Tannenbühl zurückgekommen war, ging er ins Wirtshaus, und
wer schon auf dem Tanzboden sprang, war der Tanzbodenkönig, und der dicke Ezechiel saß
auch schon hinter der Maßkanne, und knöchelte um Kronentaler. Da fuhr Peter schnell in die
Tasche, zu sehen, ob ihm das Glasmännlein Wort gehalten, und siehe, seine Tasche strotzte
von Silber und Gold; auch in seinen Beinen zuckte und drückte es, wie wenn sie tanzen und
springen wollten, und als der erste Tanz zu Ende war, stellte er sich mit seiner Tänzerin
obenan, neben den Tanzbodenkönig, und sprang dieser drei Schuh hoch, so flog Peter vier,
und machte dieser wunderliche und zierliche Schritte, so verschlang und drehte Peter seine
Füße, daß alle Zuschauer vor Lust und Verwunderung beinahe außer sich kamen. Als man
aber auf dem Tanzboden vernahm, daß Peter eine Glashütte gekauft habe, als man sah,
daß er, sooft er an den Musikanten vorbeitanzte, ihnen einen Sechsbätzner zuwarf, da war
des Staunens kein Ende; die einen glaubten, er habe einen Schatz im Wald gefunden, die
andern meinten, er habe eine Erbschaft getan, aber alle verehrten ihn jetzt, und hielten ihn
für einen gemachten Mann, nur weil er Geld hatte. Verspielte er doch noch an demselben
Abend zwanzig Gulden, und nichtsdestominder rasselte und klang es in seiner Tasche, wie
wenn noch hundert Taler darin wären.
Als Peter sah, wie angesehen er war, wußte er sich vor Freude und Stolz nicht zu fassen. Er
warf das Geld mit vollen Händen weg, und teilte es den Armen reichlich mit, wußte er doch,
wie ihn selbst einst die Armut gedrückt hatte. Des Tanzbodenkönigs Künste wurden vor den
übernatürlichen Künsten des neuen Tänzers zuschanden, und Peter führte jetzt den Namen
Tanzkaiser. Die unternehmendsten Spieler am Sonntag wagten nicht so viel wie er, abe r sie
verloren auch nicht so viel. Und je mehr er verlor, desto mehr gewann er ; das verhielt sich
aber ganz so, wie er es vom kleinen Glasmännlein verlangt hatte; er hatte sich gewünscht,
immer so viel Geld in der Tasche zu haben, wie der dicke Ezechiel, und gerade dieser war
es, an welchen er sein Geld verspielte; und wenn er zwanzig, dreißig Gulden auf einmal
verlor, so hatte er sie alsobald wieder in der Tasche, wenn sie Ezechiel einstrich. Nach und
nach brachte er es aber im Schlemmen und Spielen weiter, als die schlechtesten Gesellen
im Schwarzwald, und man nannte ihn öfter Spiel-Peter, als Tanzkaiser, denn er spielte jetzt
auch beinahe an allen Werktagen. Darüber kam aber seine Glashütte nach und nach in
Verfall, und daran war Peters Unverstand schuld. Glas ließ er machen, soviel man immer
machen konnte, aber er hatte mit der Hütte nicht zugleich das Geheimnis gekauft, wohin
man es am besten verschleißen könne. Er wußte am Ende mit der Menge Glas nichts
anzufangen, und verkaufte es um den halben Preis an herumziehende Händler, nur um
seine Arbeiter bezahlen zu können.
Eines Abends ging er auch wieder vom Wirtshaus heim, und dachte trotz des vielen Weines,
den er getrunken, um sich fröhlich zu machen, mit Schrecken und Gram an den Verfall
seines Vermögens; da bemerkte er auf einmal, daß jemand neben ihm gehe, er sah sich um,
und siehe da - es war das Glasmännlein. Da geriet er in Zorn und Eifer, vermaß sich hoch
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