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Die Sage vom Hirschgulden

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schöne Gut, Wald, Feld, die Stadt Balingen, und selbst - den Fischteich verloren, und nichts geerbt, als einen schlechten Hirschgulden. Den steckte Wolf trotzig in sein Wams, sagte nicht ja und nicht nein, warf sein Barett auf den Kopf, und ging trotzig und ohne Gruß an dem württembergischen Kommissär vorbei, schwang sich auf sein Roß und ritt nach Zollern. Als ihn aber den andern Morgen seine Mutter mit Vorwürfen plagte, daß sie Gut und Schmuck verscherzt haben, ritt er hinüber zum Schalk auf der Schalksburg: "Wollen wir unser Erbe verspielen oder vertrinken?" fragte er ihn. "Vertrinken ist besser", sagte der Schalk, "dann haben beide gewonnen. Wir wollen nach Balingen reiten und uns den Leuten zum Trotz dort sehen lassen, wenn wir auch gleich das Städtlein schmählich verloren." "Und im 'Lamm' schenkt man Roten, der Kaiser trinkt ihn nicht besser", setzte Wolf hinzu. So ritten sie miteinander nach Balingen ins "Lamm" und fragten, was die Maß Roter koste, und tranken sich zu, bis der Hirschgulden voll war. Dann stand Wolf auf, zog das Silberstück mit dem springenden Hirsch aus dem Wams, warf ihn auf den Tisch und sprach: "Da habt Ihr Euern Gulden, so wird's richtig sein." Der Wirt aber nahm den Gulden, besah ihn links, besah ihn rechts, und sagte lächelnd: "Ja, wenn es kein Hirschgulden wär, aber gestern nacht kam der Bote von Stuttgart, und heute früh hat man es ausgetrommelt im Namen des Grafen von Württemberg, dem jetzt das Städtlein eigen; die sind abgeschätzt, und gebt mir nur anderes Geld." Da sahen sich die beiden Brüder erbleichend an: "Zahl aus", sagte der eine. "Hast du keine Münze?" sagte der andere, und kurz, sie mußten den Gulden schuldig bleiben im "Lamm" in Balingen. Sie zogen schweigend und nachdenkend ihren Weg, als sie aber an den Kreuzweg kamen, wo es rechts nach Zollern, und links nach Schalksberg ging, da sagte der Schalk: "Wie nun? jetzt haben wir sogar weniger geerbt als gar nichts; und der Wein war überdies schlecht." "Jawohl", erwiderte sein Bruder. "Aber was die Feldheimerin sagte, ist doch eingetroffen: 'Seht zu, wieviel von seinem Erbe übrigbleiben wird, um einen Hirschgulden!' Jetzt haben wir nicht einmal ein Maß Wein dafür kaufen können." "Weiß schon!" antwortete der von der Schalksburg. "Dummes Zeug!" sagte der Zollern, und ritt zerfallen mit sich und der Welt seinem Schloß zu. "Das ist die Sage von dem Hirschgulden", endete der Zirkelschmidt, "und wahr soll sie sein. Der Wirt in Dürrwangen, das nicht weit von den drei Schlössern liegt, hat sie meinem guten Freund erzählt, der oft als Wegweiser über die Schwäbische Alb ging und immer in Dürrwangen einkehrte." Die Gäste gaben dem Zirkelschmidt Beifall. "Was man doch nicht alles hört in der Welt", rief der Fuhrmann; "wahrhaftig jetzt erst freut es mich, daß wir die Zeit nicht mit Kartenspielen verderbten, so ist es wahrlich besser; und gemerkt habe ich mir die Geschichte, daß ich sie morgen meinen Kameraden erzählen kann, ohne ein Wort zu fehlen." "Mir fiel da, während Ihr so erzähltet, etwas ein", sagte der Student. "O erzählet, erzählet!" baten der Zirkelschmidt und Felix. "Gut", antwortete jener, "ob die Reihe jetzt an mich kömmt oder später, ist gleichviel; ich muß ja doch heimgeben, was ich gehört. Das, was ich erzählen will, soll sich wirklich einmal begeben haben." Er setzte sich zurecht und wollt eben anheben zu erzählen, als die Wirtin den Spinnrocken beiseite setzte und zu den Gästen an den Tisch trat. "Jetzt, ihr Herren, ist es Zeit zu Bette zu gehen", sagte sie; "es hat neun Uhr geschlagen, und morgen ist auch ein Tag." "Ei, so gehe zu Bette", rief der Student, "setze noch eine Flasche Wein für uns hierher, und dann wollen wir dich nicht länger abhalten." "Mitnichten", entgegnete sie grämlich, "solange noch Gäste in der Wirtsstube sitzen, können Wirtin und Dienstboten nicht weggehen. Und kurz und gut, ihr Herren, machet, daß ihr auf eure Kammern kommet; mir wird die Zeit lange, und länger als neun Uhr darf in meinem Hause nicht gezecht werden." "Was fällt Euch ein, Frau Wirtin", sprach der Zirkelschmidt staunend; "was schadet es denn Euch, ob wir hier sitzen, wenn Ihr auch längst schlafet; wir sind rechtliche Leute, und werden Euch nichts hinwegtragen, noch ohne Bezahlung fortgehen. Aber so lasse ich mir in keinem Wirtshaus ausbieten."
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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