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ich glaubte du wärest gestorben."
"Nun, aufgeschoben
ist nicht aufgehoben", sagte der Kleine, der mit giftigen Blicken nach
seinem Bruder hinaufschaute.
Dieser aber sprach mit donnernder Stimme:
"Von dieser Stunde an sind alle Bande der Verwandtschaft
zwischen uns los und ledig. Ich habe eure Freudenschüsse wohl
vernommen, aber sehet zu, auch ich habe
fünf Feldschlangen hier auf dem Hof stehen, und habe
sie euch zu Ehren scharf laden lassen. Machet, daß ihr aus dem Bereich meiner
Kugeln kommt oder
ihr sollt erfahren wie man auf Hirschberg schießt." Sie ließen es sich
nicht zweimal
sagen, denn sie sahen ihm an, wie ernst es ihm war; sie gaben also ihren
Pferden die Sporen und hielten einen
Wettlauf den Berg hinunter, und ihr Bruder schoß eine
Stückkugel hinter ihnen her, die
über ihren Köpfen wegsauste, daß sie beide zugleich eine
tiefe und höfliche Verbeugung
machten; er wollte sie aber nur schrecken und nicht verwunden.
"Warum hast du denn geschossen?" fragte der kleine Schalk unmutig; "du Tor,
ich schoß nur, weil ich dich hörte."
"Im Gegenteil,
frag nur die Mutter!" erwiderte Wolf, "du warst es, der zuerst schoß und
du hast diese
Schande über uns gebracht, kleiner Dachs." Der
Kleine blieb ihm keinen Ehrentitel schuldig, und als sie am Fischteich angekommen
waren, gaben
sie sich gegenseitig noch die vom alten Wetter von Zollern geerbten Flüche
zum besten und
trennten sich in Haß und Unlust. Tags
darauf aber machte Kuno sein Testament und Frau Feldheimerin sagte zum Pater:
"Ich wollte was
wetten, er hat keinen guten Brief für die Kanoniere geschrieben." Aber so
neugierig sie
war, und sooft sie in ihren Liebling drang, er sagte ihr nicht, was im Testament
stehe, und sie
erfuhr es auch nimmer, denn ein Jahr nachher verschied die gute Frau, und
ihre Salben und Tränklein halfen
ihr nichts, denn sie starb an keiner Krankheit, sondern am
achtundneunzigsten Jahr, das auch einen
ganz gesunden Menschen endlich unter den Boden
bringen kann. Graf Kuno ließ sie bestatten, als ob sie nicht eine arme Frau,
sondern seine
Mutter gewesen wäre, und es kam ihm nachher noch viel einsamer vor auf seinem
Schloß,
besonders da der Pater Joseph der Frau Feldheimerin bald folgte.
Doch diese Einsamkeit fühlte er
nicht sehr lange; der gute Kuno starb schon in seinem achtundzwanzigsten
Jahr, und böse Leute behaupten an Gift, das ihm der kleine Schalk
beigebracht hatte.
Wie dem aber auch sei, einige Stunden
nach seinem Tod vernahm man wieder den Donner der
Kanonen, in Zollern und Schalksberg tat
man fünfundzwanzig
Schüsse. "Diesmal hat er
doch daran glauben müssen", sagte der Schalk, als sie unterwegs zusammentrafen.
"Ja", antwortete
Wolf, "und wenn er noch einmal aufersteht und zum Fenster herausschimpft,
wie damals, so hab ich eine Büchse
bei mir, die ihn höflich und stumm machen soll." Als
sie den Schloßberg hinanritten, gesellte sich ein Reiter mit Gefolge zu ihnen,
den sie nicht
kannten. Sie glaubten, er sei vielleicht ein Freund ihres Bruders und komme, um
ihn beisetzen
zu helfen. Daher gebärdeten sie sich kläglich, priesen vor ihm den Verstorbenen,
beklagten sein
frühes Hinscheiden, und der kleine Schalk preßte sich sogar einige
Krokodilstränen aus. Der Ritter
antwortete ihnen aber nicht, sondern ritt still und stumm an
ihrer Seite den Hirschberg hinauf.
"So, jetzt wollen wir es uns bequem machen, und Wein herbei,
Kellermeister, vom besten!" rief Wolf, als er abstieg. Sie gingen die Wendeltreppen
hinauf und in
den Saal, auch dahin folgte ihnen der stumme Reiter, und als sich die Zwillinge
ganz breit an
den Tisch gesetzt hatten, zog jener ein Silberstück aus dem Wams, warf es
auf den Schiefertisch,
daß es umherrollte und klingelte, und sprach: "So, und da habt ihr jetzt
euer Erbe und
es wird just recht sein, ein Hirschgulden." Da sahen sich die beiden Brüder
verwundert an,
lachten und fragten ihn was er damit sagen wolle? Der
Ritter aber zog ein Pergament hervor, mit hinlänglichen Siegeln, darin hatte
der dumme Kuno
alle Feindseligkeiten aufgezeichnet, die ihm die Brüder bei seinen Lebzeiten
bewiesen, und
am Ende hatte er verordnet und bekannt, daß sein ganzes Erbe, Hab und Gut,
außer dem
Schmuck seiner seligen Frau Mutter, auf den Fall seines Todes an Württemberg
verkauft sei,
und zwar - um einen elenden Hirschgulden! Um den Schmuck aber solle man in
der Stadt Balingen
ein Armenhaus erbauen. Da
erstaunten nun die Brüder abermals, lachten aber nicht dazu, sondern bissen
die Zähne zusammen;
denn sie konnten gegen Württemberg nichts ausrichten, und so hatten sie das
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