Title:

Die Sage vom Hirschgulden

Home
Publication List
deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>|
  Wir empfehlen:       
 
ich glaubte du wärest gestorben." "Nun, aufgeschoben ist nicht aufgehoben", sagte der Kleine, der mit giftigen Blicken nach seinem Bruder hinaufschaute. Dieser aber sprach mit donnernder Stimme: "Von dieser Stunde an sind alle Bande der Verwandtschaft zwischen uns los und ledig. Ich habe eure Freudenschüsse wohl vernommen, aber sehet zu, auch ich habe fünf Feldschlangen hier auf dem Hof stehen, und habe sie euch zu Ehren scharf laden lassen. Machet, daß ihr aus dem Bereich meiner Kugeln kommt oder ihr sollt erfahren wie man auf Hirschberg schießt." Sie ließen es sich nicht zweimal sagen, denn sie sahen ihm an, wie ernst es ihm war; sie gaben also ihren Pferden die Sporen und hielten einen Wettlauf den Berg hinunter, und ihr Bruder schoß eine Stückkugel hinter ihnen her, die über ihren Köpfen wegsauste, daß sie beide zugleich eine tiefe und höfliche Verbeugung machten; er wollte sie aber nur schrecken und nicht verwunden. "Warum hast du denn geschossen?" fragte der kleine Schalk unmutig; "du Tor, ich schoß nur, weil ich dich hörte." "Im Gegenteil, frag nur die Mutter!" erwiderte Wolf, "du warst es, der zuerst schoß und du hast diese Schande über uns gebracht, kleiner Dachs." Der Kleine blieb ihm keinen Ehrentitel schuldig, und als sie am Fischteich angekommen waren, gaben sie sich gegenseitig noch die vom alten Wetter von Zollern geerbten Flüche zum besten und trennten sich in Haß und Unlust. Tags darauf aber machte Kuno sein Testament und Frau Feldheimerin sagte zum Pater: "Ich wollte was wetten, er hat keinen guten Brief für die Kanoniere geschrieben." Aber so neugierig sie war, und sooft sie in ihren Liebling drang, er sagte ihr nicht, was im Testament stehe, und sie erfuhr es auch nimmer, denn ein Jahr nachher verschied die gute Frau, und ihre Salben und Tränklein halfen ihr nichts, denn sie starb an keiner Krankheit, sondern am achtundneunzigsten Jahr, das auch einen ganz gesunden Menschen endlich unter den Boden bringen kann. Graf Kuno ließ sie bestatten, als ob sie nicht eine arme Frau, sondern seine Mutter gewesen wäre, und es kam ihm nachher noch viel einsamer vor auf seinem Schloß, besonders da der Pater Joseph der Frau Feldheimerin bald folgte. Doch diese Einsamkeit fühlte er nicht sehr lange; der gute Kuno starb schon in seinem achtundzwanzigsten Jahr, und böse Leute behaupten an Gift, das ihm der kleine Schalk beigebracht hatte. Wie dem aber auch sei, einige Stunden nach seinem Tod vernahm man wieder den Donner der Kanonen, in Zollern und Schalksberg tat man fünfundzwanzig Schüsse. "Diesmal hat er doch daran glauben müssen", sagte der Schalk, als sie unterwegs zusammentrafen. "Ja", antwortete Wolf, "und wenn er noch einmal aufersteht und zum Fenster herausschimpft, wie damals, so hab ich eine Büchse bei mir, die ihn höflich und stumm machen soll." Als sie den Schloßberg hinanritten, gesellte sich ein Reiter mit Gefolge zu ihnen, den sie nicht kannten. Sie glaubten, er sei vielleicht ein Freund ihres Bruders und komme, um ihn beisetzen zu helfen. Daher gebärdeten sie sich kläglich, priesen vor ihm den Verstorbenen, beklagten sein frühes Hinscheiden, und der kleine Schalk preßte sich sogar einige Krokodilstränen aus. Der Ritter antwortete ihnen aber nicht, sondern ritt still und stumm an ihrer Seite den Hirschberg hinauf. "So, jetzt wollen wir es uns bequem machen, und Wein herbei, Kellermeister, vom besten!" rief Wolf, als er abstieg. Sie gingen die Wendeltreppen hinauf und in den Saal, auch dahin folgte ihnen der stumme Reiter, und als sich die Zwillinge ganz breit an den Tisch gesetzt hatten, zog jener ein Silberstück aus dem Wams, warf es auf den Schiefertisch, daß es umherrollte und klingelte, und sprach: "So, und da habt ihr jetzt euer Erbe und es wird just recht sein, ein Hirschgulden." Da sahen sich die beiden Brüder verwundert an, lachten und fragten ihn was er damit sagen wolle? Der Ritter aber zog ein Pergament hervor, mit hinlänglichen Siegeln, darin hatte der dumme Kuno alle Feindseligkeiten aufgezeichnet, die ihm die Brüder bei seinen Lebzeiten bewiesen, und am Ende hatte er verordnet und bekannt, daß sein ganzes Erbe, Hab und Gut, außer dem Schmuck seiner seligen Frau Mutter, auf den Fall seines Todes an Württemberg verkauft sei, und zwar - um einen elenden Hirschgulden! Um den Schmuck aber solle man  in der Stadt Balingen ein Armenhaus erbauen. Da erstaunten nun die Brüder abermals, lachten aber nicht dazu, sondern bissen die Zähne zusammen; denn sie konnten gegen Württemberg nichts ausrichten, und so hatten sie das
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>| 

Back to the topic sites:
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/H/Hauff
Märchen Sammlung/Startseite/maerchen/maerchen_d

External Links to this site are permitted without prior consent.

Publication List:
Das Wirtshaus im Spessart
Das kalte Herz
Die Geschichte von der abgehauenen Hand
   
  Home  |  deutsch  |  Set bookmark  |  Send a friend a link  |  Impressum