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"Ihr schlechten Menschen!" entgegnete Kuno unmutig. "Diesen Morgen habe ich hinlänglich
Zeit gehabt euren Geiz, eure Unverschämtheit und eure Roheit einzusehen. Gehet jetzt und
kommt nie wieder hierher, und glaubt mir, es wäre für eure Seelen besser, wenn ihr nur halb
so fromm und gut wäret, als jene Frau, die ihr eine Hexe scheltet."
"Nein, eine eigentliche Hexe ist sie nicht!" sagte der Schalk spöttisch lachend. "Solche
Weiber können wahrsagen, aber Frau Feldheimerin ist sowenig eine Wahrsagerin, als eine
Gans ein Schwan werden kann; hat sie doch dem Vater gesagt: Von seinem Erbe werde
man einen guten Teil um einen Hirschgulden kaufen können, das heißt, er werde ganz
verlumpen, und doch hat bei seinem Tod alles sein gehört, so weit man von der Zinne von
Zollern sehen kann! Geh, geh, Frau Feldheimerin ist nichts als ein törichtes altes Weib und
du - der dumme Kuno."
Nach diesen Worten entfernte sich der Kleine eilig, denn er fürchtete den starken Arm seines
Bruders, und Wolf folgte ihm, indem er alle Flüche hersagte, die er von seinem Vater gelernt
hatte.
In tiefster Seele betrübt ging Kuno nach Hause, denn er sah jetzt deutlich, daß seine Brüder
nie mehr mit ihm sich vertragen wollten. Er nahm sich auch ihre harten Worte so sehr zu
Herzen, daß er des andern Tages sehr krank wurde, und nur der Trost des würdigen Pater
Joseph und die kräftigen Tränklein der Frau Feldheimerin retteten ihn vom Tode.
Als aber seine Brüder erfuhren, daß ihr Bruder Kuno schwer darniederliege, hielten sie ein
fröhliches Bankett, und im Weinmut sagten sie sich zu, wenn der dumme Kuno sterbe, so
solle der, welcher es zuerst erfahre, alle Kanonen lösen, um es dem andern anzuzeigen, und
wer zuerst kanoniere, solle das beste Faß Wein aus Kunos Keller vorweg nehmen dürfen.
Wolf ließ nun von da an immer einen Diener in der Nähe von Hirschberg Wache halten, und
der kleine Schalk bestach sogar einen Diener Kunos mit vielem Geld, damit er es ihm schnell
anzeige, wenn sein Herr in den letzten Zügen liege.
Dieser Knecht aber war seinem milden und frommen Herrn mehr zugetan als dem bösen
Grafen von Schalksberg; er fragte also eines Abends Frau Feldheimerin teilnehmend nach
dem Befinden seines Herrn, und als diese sagte, daß es ganz gut mit ihm stehe, erzählte er
ihr den Anschlag der beiden Brüder und daß sie Freudenschüsse tun wollen auf des Grafen
Kunos Tod. Darüber ergrimmte die Alte sehr; sie erzählte es flugs wieder dem Grafen, und
als dieser an eine so große Lieblosigkeit seiner Brüder nicht glauben wollte, so riet sie ihm,
er solle die Probe machen und aussprengen lassen, er sei tot, so werde man bald hören ob
sie kanonieren, ob nicht. Der Graf ließ den Diener, den sein Bruder bestochen, vor sich
kommen, befragte ihn nochmals und befahl ihm nach Schalksberg zu reiten und sein nahes
Ende zu verkünden.
Als nun der Knecht eilends den Hirschberg herabritt, sah ihn der Diener des Grafen Wolf von
Zollern, hielt ihn an und fragte, wohin er so eilends zu reiten willens sei. "Ach", sagte dieser,
"mein armer Herr wird diesen Abend nicht überleben, sie haben ihn alle aufgegeben."
"So? Ist's um diese Zeit?" rief jener, lief nach seinem Pferd, schwang sich auf und jagte so
eilends nach Zollern und den Schloßberg hinan, daß sein Pferd am Tor niederfiel und er
selbst nur noch: "Graf Kuno stirbt" rufen konnte, ehe er ohnmächtig wurde. Da donnerten die
Kanonen von Hohenzollern herab, Graf Wolf freute sich mit seiner Mutter über da s gute Faß
Wein und das Erbe, den Teich, über den Schmuck und den starken Widerhall, den seine
Kanonen gaben. Aber was er für Widerhall gehalten, waren die Kanonen von Schalksberg
und Wolf sagte lächelnd zu seiner Mutter: "So hat der Kleine auch einen Spion gehabt, und
wir müssen auch den Wein gleich teilen wie das übrige Erbe." Dann aber saß er zu Pferd,
denn er argwohnte, der kleine Schalk möchte ihm zuvorkommen und vielleicht einige
Kostbarkeiten des Verstorbenen wegnehmen, ehe er käme.
Aber am Fischteich begegneten sich die beiden Brüder und jeder errötete vor dem andern,
weil beide zuerst nach Hirschberg hatten kommen wollen. Von Kuno sprachen sie kein Wort,
als sie zusammen ihren Weg fortsetzten, sondern sie berieten sich brüderlich, wie man es in
Zukunft halten wolle, und wem Hirschberg gehören solle. Wie sie aber über die Zugbrücke
und in den Schloßhof ritten, da schaute ihr Bruder wohlbehalten und gesund zum Fenster
heraus, aber Zorn und Unmut sprühten aus seinen Blicken. Die Brüder erschraken sehr, als
sie ihn sahen, hielten ihn anfänglich für ein Gespenst und bekreuzten sich, als sie aber
sahen, daß er noch Fleisch und Blut habe, rief Wolf: "Ei, so wollt ich doch! Dummes Zeug,
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