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fügte, des lieben Friedens willen nachgab und im Testament dem kleinen Schalk
Schalksberg, Wolf, dem größeren Zwillingsbruder, Zollern und Kuno Hirschberg mit dem
Städtchen Balingen verschrieb. Bald darauf, nachdem er also verfügt hatte, fiel er auch in
eine schwere Krankheit. Zu dem Arzt, der ihm sagte, daß er sterben müsse, sagte er: "Ich
weiß schon", und dem Schloßkaplan, der ihn ermahnte, sich zu einem frommen Ende
vorzubereiten, antwortete er "Dummes Zeug!", fluchte und raste fort, und starb wie er gelebt
hatte, roh und als ein großer Sünder.
Aber sein Leichnam war noch nicht beigesetzt, so kam die Frau Gräfin schon mit dem
Testament herbei, sagte zu Kuno, ihrem Stiefsohn, spöttisch, er möchte jetzt seine
Gelehrsamkeit beweisen und selbst nachlesen was im Testament stehe, nämlich, daß er in
Zollern nichts mehr zu tun habe, und freute sich mit ihren Söhnen über das schöne
Vermögen und die beiden Schlösser, die sie ihm, dem Erstgebornen, entrissen hatten.
Kuno fügte sich ohne Murren in den Willen des Verstorbenen, aber mit Tränen nahm er
Abschied von der Burg, wo er geboren worden, wo seine gute Mutter begraben lag, und wo
der gute Schloßkaplan und nahe dabei seine einzige alte Freundin, Frau Feldheimerin,
wohnte. Das Schloß Hirschberg war zwar ein schönes, stattliches Gebäude, aber es war ihm
doch zu einsam und öde, und er wäre bald krank vor Sehnsucht nach Hohenzollern
geworden.
Die Gräfin und die Zwillingsbrüder, die jetzt achtzehn Jahre alt waren, saßen eines Abends
auf dem Söller und schauten den Schloßberg hinab; da gewahrten sie einen stattlichen
Ritter, der zu Pferde heraufritt, und dem eine prachtvolle Sänfte von zwei Maultieren
getragen und mehrere Knechte folgten; sie rieten lange hin und her wer es wohl sein
möchte, da rief endlich der kleine Schalk: "Ei, das ist ja niemand anders als unser Herr
Bruder von Hirschberg."
"Der dumme Kuno?" sprach die Frau Gräfin verwundert; "ei der wird uns die Ehre antun, uns
zu sich einzuladen und die schöne Sänfte hat er für mich mitgebracht, um mich abzuholen
nach Hirschberg; nein, so viel Güte und Lebensart hätte ich meinem Herrn Sohn, dem
dummen Kuno, nicht zugetraut; eine Höflichkeit ist der andern wert, lasset uns hinabsteigen
an das Schloßtor ihn zu empfangen; macht auch freundliche Gesichter, vielleicht schenkt er
uns in Hirschberg etwas, dir ein Pferd und dir einen Harnisch, und den Schmuck seiner
Mutter hätte ich schon lange gerne gehabt."
"Geschenkt mag ich nichts von dem dummen Kuno", so antwortete Wolf, "und kein gutes
Gesicht mach ich ihm auch nicht. Aber unserem seligen Herrn Vater könnte er meinetwegen
bald folgen, dann würden wir Hirschberg erben und alles, und Euch, Frau Mutter, wollten wir
den Schmuck um billigen Preis ablassen."
"So, du Range!" eiferte die Mutter. "Abkaufen soll ich euch den Schmuck? Ist das der Dank
dafür, daß ich euch Zollern verschafft habe? Kleiner Schalk, nicht wahr, ich soll den
Schmuck umsonst haben?"
"Umsonst ist der Tod, Frau Mutter!" erwiderte der Sohn lachend. "Und wenn es wahr ist, daß
der Schmuck soviel wert ist als manches Schloß, so werden wir wohl nicht die Toren sein,
ihn Euch um den Hals zu hängen. Sobald Kuno die Augen schließt, reiten wir hinunter, teilen
ab, und meinen Part an Schmuck verkaufe ich. Gebt Ihr dann mehr als der Jude, Frau
Mutter, so sollt Ihr ihn haben."
Sie waren unter diesem Gespräch bis unter das Schloßtor gekommen, und mit Mühe zwang
sich die Frau Gräfin ihren Grimm über den Schmuck zu unterdrücken, denn soeben ritt Graf
Kuno über die Zugbrücke. Als er seine Stiefmutter und seine Brüder ansichtig wurde, hielt er
sein Pferd an, stieg ab und grüßte sie höflich. Denn obgleich sie ihm viel Leids angetan,
bedachte er doch, daß es seine Brüder seien und daß diese böse Frau sein Vater geliebt
hatte.
"Ei, das ist ja schön, daß der Herr Sohn uns auch besucht", sagte die Frau Gräfin mit süßer
Stimme und huldreichem Lächeln. "Wie geht es denn auf Hirschberg? Kann man sich dort
eingewöhnen? Und gar eine Sänfte hat man sich angeschafft? Ei und wie prächtig, es dürfte
sich keine Kaiserin daran schämen; nun wird wohl auch die Hausfrau nicht mehr lange
fehlen, daß sie darin im Lande umherreist."
"Habe bis jetzt noch nicht daran gedacht, gnädige Frau Mutter", erwiderte Kuno, "will mir
deswegen andere Gesellschaft zur Unterhaltung ins Haus nehmen und bin deswegen mit der
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