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"Mein Klassiker"
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Die Klaviersonaten (Audio CD) Wenn ich aufgefordert wäre, nur eine Musik auf eine einsame Insel mitnehmen zu dürfen, zögerte ich einen Moment lang: es gibt so viel schöne Musik von Schubert. Meine Wahl trifft die Klaviersonaten, die eine so unmittelbare emotionale Sprache sprechen, eine Sprache des Berührtseins mit dem Innersten. Von 21 Sonaten, die Schubert beginnt, vollendet er 12, und nur 3 erscheinen zu seinen Lebzeiten. Unter dem Einfluß des von ihm so sehr bewunderten Beethovens stehend,ist Schubert zwar noch eng der klassischen Tradition verbunden, die romantische Geisteshaltung und Empfindung bestimmen aber deutlich seine musikalischen Inhalte. Mein Herzensstück ist eine seiner letzten, in seinem Todesjahr 1828 geschriebenen Sonaten in B-dur (D960), die ich in sechs Einspielungen besitze. Wilhelm Kempffs ist mir die liebste. Ohne dramatische Übertreigungen in zurückhaltender, poetisch anmutender Weise vortragend, vermittelt er Bewunderung und Achtung vor dieser Musik. Nicht zur Virtuosität fühlt er sich, seinen eigenen Worten folgend, aufgefordert, sondern zur Begleitung des ewigen Wanderers Schubert in jenes Land, das er sehnsuchtsvoll gesucht habe. Der erste Satz der Sonate ist wie ein vorsichtiger, aber bestimmter Aufbruch, der Verheißung birgt, stetig voranschreitend, voller überströmender Melodiefülle. Aus dem folgenden Andante sostenuto dagegen sprechen Schmerz, Wehmut und Sehnsucht, nicht ungestüm aufbegehrend, sondern voller Akzeptanz und Gefühlen des Abschieds vom Leben. Dramatisch vereinen die letzten beiden Sätze die emotionalen Diskrepanzen. Eine Lebensfreude klingt an, die angesichts der fortschreitenden Krankheit Schuberts kaum faßbar ist. Heiter, fast gesellig zum Tanz aufspielend, verbirgt und trägt die Musik die Melancholie des Einsamen, dem Tod Nahen. Es ist gut zu wissen, daß es noch 20 andere Sonaten gibt, denn Schuberts Musik ist eine besonders tröstende. Vor ihr stürzt, wie Adorno es einmal sagte, die Träne aus dem Auge, ohne erst die Seele zu befragen...wir weinen, ohne zu wissen warum; weil wir so noch nicht sind, wie jene Musik es verspricht.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 21. Dezember 2002 |